Kaum Bewegung bei der Umfahrung

Murnau – Fast still ruht der See. Das Wasser – nahezu flach wie ein Brett. Kaum etwas bewegt sich. So oder so ähnlich lässt sich der Ist-Zustand der Umfahrung Murnau beschreiben. Das Projekt, das seit 2016 Teil des Bundesverkehrsplans 2030 ist, befindet sich weiter in der Warteschleife. Konkretes, welche Trasse das Staatliche Bauamt verwirklichen möchte, wann die ersten Bagger anrollen sollen – Fehlanzeige. Eine Situation, die bei den Befürwortern der Umfahrung, die die Weilheimer Straße und die Reschstraße vom Durchgangsverkehr entlasten soll, hohe Wellen schlägt. „Das kommt mir alles sehr zäh vor“, sagt Welf Probst, Gemeinderat der Freien Wähler und ausgewiesener Befürworter des Projekts, das der damalige Bundesverkehrs- und derzeitige Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), zu dessen Wahlkreis Murnau gehört, auf den Weg brachte und das zig Millionen kosten soll. Probsts Kenntnisstand, immerhin Verkehrsreferent des Gemeinderats, ist seit der letzten gemeinsamen Sitzung der Murnauer und Seehauser Kommunalpolitiker, die vor Monaten stattfand und während der Vertreter des Staatlichen Bauamts über den Stand der Dinge berichteten, unverändert. „Ich weiß nichts Neues“, räumt er auf Anfrage ein. „Das ist alles sehr bedauerlich.“
Der Abschluss der Voruntersuchung ist für 2027 geplant.
Michael Meister, Pressesprecher des Staatlichen Bauamts
Die Öffentlichkeit ist in zwei Lager gespalten: Auf der einen Seite stehen die konservativen Parteien, die sich pro Umfahrung positioniert haben, auf der anderen gemeinsam Bündnis 90/Die Grünen und die Bürgerinitiative Heimat 2035, die das Vorhaben ablehnen. Für beide ist es schwer, an belastbare Informationen zu kommen. Beim Staatlichen Bauamt mit Sitz in Weilheim besitzt Murnau nicht die absolute Priorität, weil die Tunnel in und um Garmisch-Partenkirchen sowie der Tunnel Starnberg, die Nordumfahrung Bad Tölz, aber auch die laufenden Erhaltungsprojekte offenbar die gesamte Manpower der Behörde abschöpfen. Deshalb versuchen die Beamten um den Leitenden Baudirektor Stefan Scheckinger und Raphael Zuber, der die Abteilung Großprojekte verantwortet, aus der personellen Not eine Tugend zu machen. Man hat sich Hilfe von außen geholt. „Das externe Projektmanagement – Projektleitung und Projektsteuerung – zur Entlastung des internen Personals ist bereits beauftragt“, teilt Pressesprecher Michael Meister mit. Die neuen Kollegen arbeiteten sich derzeit in die Materie ein. „Dies stimmt uns positiv, sodass wir eine zügige Fortführung der Planungen anvisieren“, erklärt Meister, der auch einen groben Zeitplan nennt: „Der Abschluss der Voruntersuchung ist für 2027 geplant. Die Unterlagen dafür müssen erst abgeschlossen sein oder werden.“
Was Zeit kostet: Verschiedene Abhängigkeiten müssen Meister zufolge „iterativ“ angegangen werden. Übersetzt heißt das: Das Projekt muss in mehreren aufeinanderfolgenden Schleifen geplant, umgesetzt, getestet und durch Rückkopplung stetig verbessert werden. Die identische Aussage hatte der Pressesprecher schon vor Monaten getroffen. Mehr und mehr zur unendlichen Geschichte wächst sich das Gutachten aus, das essenziell für das Projekt ist. Das entscheidende Papier sollte nach damaliger Auskunft von Meister im Januar 2026 abgeschlossen sein. Dieser Termin ist längst verstrichen. „Man wundert sich schon“, sagt Probst und nennt es zudem „bedauerlich“. Und er macht noch einmal den Standpunkt der Freien Wähler deutlich. „Wir sind darauf aus, dass die Umfahrung gebaut wird. Absolut.“ Die wahrscheinlichste Trasse West – eine von fünf Varianten, die geprüft werden, – ist jene, die auch der Bundesverkehrswegeplan präferiert. Sie führt von Höhe der Poschinger-Allee, vorbei am Gewerbegebiet, quer über den Sportplatz durch den Kemmelpark zum Kreisel an der Kohlgruber Straße.
Das Gutachten, das die Experten der Firma Inovaplan (München/Karlsruhe) erstellen, das primär die Verkehrsströme, die Einflüsse auf die Natur sowie die Entlastungswirkung der Tangente und deren Kosten unter die Lupe nahm, ist noch nicht abgeschlossen. Wann dies sein wird? Offen. „Ein konkreter Zeitpunkt, ab wann die Ergebnisse vorliegen werden, ist in der derzeitigen Projektphase leider noch nicht näher konkretisierbar“, erklärt Meister. Hierfür bittet er im Namen des Staatlichen Bauamts um Verständnis.
Dass Murnau in Sachen Verkehr nicht nur ein Belastungsproblem hat, haben die vergangenen Wochen, seit die Autobahnauffahrt Sindelsdorf gesperrt ist, gezeigt. Derzeit ist weniger die Nord-Süd-Achse strapaziert, vielmehr leidet die Ost-West-Verbindung unter erhöhten Strömen. Probst hat einen massiven Anstieg an der Kochler Straße in Richtung Tunnel, wo er mitunter gar einen Stau registrierte, und am Bad Kohlgruber Kreisel ausgemacht. „Da sind derzeit sicher weit, weit mehr als die 9000 Fahrzeuge unterwegs, die sich sonst über diese Verbindung bewegen“, sagt er. Das ist allerdings wohl nur eine Momentaufnahme. Mit der Freigabe der Autobahnauf- und -abfahrt bei Sindelsdorf, was vermutlich ab dem 15. September der Fall ist, wird sich der Verkehr wieder auf die Weilheimer Straße sowie die Reschstraße in den Stoßzeiten konzentrieren.
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