Beuting bringt Tempo 30 ins Spiel
Murnau – Irgendwann in ferner Zukunft wird es sievielleicht geben: die Murnauer Umgehungsstraße, die seit 2016 imBundesverkehrswegeplan 2030 steht und die die Reschstraße sowie dieWeilheimer Straße von derzeit mehr als derzeit 17.000 Autos und Lkwpro Tag entlasten soll. Bringen soll sie hauptsächlich mehrLebensqualität für die Anwohner, die unter der Belastung durch Lärmund Abgase stöhnen. Zwar haben die Berliner Beamten, damals nochunter der Ägide des damaligen Verkehrsministers Alexander Dobrindt,das Projekt mit der höchsten Prioritätsstufe „im vordringlichenBedarf“ versehen, passiert ist in den zurückliegenden zehn Jahrenallerdings herzlich wenig. Weile statt Eile. Das Staatliche BauamtWeilheim, das für das Vorhaben die planerische Hoheit besitzt, hatnoch nicht einmal die Trasse festgelegt. Deshalb kann es noch weitbis in die 2030er-Jahre dauern, ehe die Bagger anrollen.
Es gibt keine belastbaren Nachweise, dass Tempo 30 tatsächlich zu einer relevanten Verbesserung führt.
Welf Probst
Wenn sie‘s denn jemals tun. Damit die Anwohner beider Straßenso schnell wie möglich weniger leiden müssen, gibt es mittlerweilezwei Vorschläge. Der eine stammt von der Bürgerinitiative Heimat2035, die die Umfahrung in Bausch und Bogen ablehnt, der andere vonder Verwaltung. Heimat 2035 möchte als Soforthilfe denSchwerlastverkehr über 7,5 Tonnen aus Murnau verbannen und über dieAutobahn Richtung Süden führen (wir berichteten). Eine Idee, dieBürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nicht uncharmantfindet. Der Grund: Ihm zufolge habe dieser Art Verkehr zuletzt starkzugenommen, da Lkw den Abraum des im Bau befindlichen Auerbergtunnelsnun durch Murnau Richtung Norden transportierten. „Die MurnauerBevölkerung muss den Kopf dafür hinhalten“, echauffierte er sich.
Einen anderen Plan als das Lkw-Verbot verfolgt das Rathaus mitBeuting an der Spitze. Ihm schwebt eine streckenbezogeneGeschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 auf der B2 im Bereichzwischen Adalbert-Stifter-Straße und Bahnhofstraße vor. BeideAnträge behandelte in seiner Sitzung am Donnerstagabend derHauptverwaltungsausschuss des Murnauer Gemeinderats. Zu beiden gabWelf Probst (Freie Wähler) in seiner Funktion als Verkehrsreferentseine Einschätzung ab. Beide Male fiel seine Expertise negativ aus.Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum) sagte im Hinblick auf dasLkw-Verbot, seine Gruppierung unterstütze jeden Versuch, derEntlastung für die geplagten Anwohner bringe. Von Sabine Messner(Bündnis 90/Die Grünen) und Felix Burger (SPD) erhielt erRückendeckung, vor allem was die Sicherheit für die Schulkinderangeht. Probst ließ indes kaum ein gutes Haar an dem Vorschlag. SeinFazit: „Die nachhaltige Lösung liegt aus meiner Sicht nicht inzusätzlichen Verboten und Umleitungen, sondern in der konsequentenFortführung der bereits vor fast 30 Jahren begonnenenEntlastungsstraße. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, das ZentrumMurnaus vom Verkehr zu entlasten und die Aufenthaltsqualität zuverbessern.“
Kaum besser kam die Temporeduzierung weg. Er nannte mehrereArgumente, die aus seiner Sicht dagegen sprechen: Es gebe keinebelastbaren Nachweise, dass Tempo 30 tatsächlich zu „einerrelevanten Verbesserung der Lärmsituation und derVerkehrssicherheit“ führe. Weder in puncto Verkehrsfluss noch beimVerkehrsaufkommen. Diametral entgegengesetzter Meinung waren Beutingund Burger. „30 Stundenkilometer hätten einen Effekt“, glaubtBeuting. Sie brächten weniger Lärm und mehr Sicherheit, erklärteder Rathauschef. Murnau sei nicht die einzige Kommune in Deutschland,die sich mit Tempo 30 auf innerörtlichen Durchgangsstraßenbeschäftige. „Das ist in anderen Bundesländern gang und gäbe.“Das Gros der Gemeinde folgte Beuting. Die Mehrheiten waren mit 11:2(Lkw-Verbot) – nur Parteifreundin Maria Schägger stimmte mitProbst – und 10:3 (Geschwindigkeitsbegrenzung) – neben Schäggerschloss sich CSU-Mann Michael Hosp der Belegkette von Probst an –eindeutig.
„Jetzt müssen wir nur noch das Landratsamt mit Argumentenüberzeugen“, meinte Beuting. Die Kreisbehörde soll nun prüfen,ob aufgrund der vorhandenen Verkehrsdaten eine Erfolgsaussicht fürein Lkw-Durchfahrtsverbot besteht. Gleichzeitig soll sie eineTempobegrenzung auf der B2 zwischen Adalbert-Stifter-Straße undBahnhofstraße sowie im Abschnitt Reschkreuzung und Schulzentrumanordnen.
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