Bürgerinitiative will Lkw aussperren

Murnau – Immer wieder mal hat in den vergangenen Monaten die Bürgerinitiative Heimat 2035, deren Ziel es ist, die Ortsumfahrung von Murnau zu verhindern, mobil gemacht. Es gab einen Spaziergang auf einer der geplanten Trassen und etliche Positionspapiere, in denen man den Standpunkt zu dem Projekt deutlich machte, das seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan steht und das als Entlastung für die Murnauer Reschstraße sowie die Weilheimer Straße gedacht ist. Nun hat sich das Aktionsbündnis erneut zu Wort gemeldet. Es wendet sich mit einem konkreten Vorschlag an die Bürgermeister von Murnau, Seehausen und Spatzenhausen, Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Karl Widmann (PWS) und Simone Probst (FWG) sowie die Gemeinderäte der drei Orte. Das gleichlautende Schreiben, das vom gestrigen Donnerstag datiert ist, ging per E-Mail an die Kommunalpolitiker und Rathaus-Chefs. Der Inhalt: Die Initiative schlägt eine kurzfristig umsetzbare Maßnahme zur Entlastung der Anwohner entlang der Bundesstraße 2 vor. Der Kern ist ein Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen auf der B2 zwischen dem Kreisverkehr nördlich von Spatzenhausen und der Anschlussstelle Eschenlohe. Die betroffenen Lkw sollen stattdessen über die B472, die Anschlussstelle Sindelsdorf und die A95 geführt werden.
„Wir möchten konkrete und umsetzbare Vorschläge in die Diskussion einbringen, die den Menschen vor Ort zeitnah zugutekommen können. Die Umleitung des Schwerlast-Durchgangsverkehrs ist aus unserer Sicht eine Maßnahme, die mit vergleichsweise geringem Aufwand geprüft und umgesetzt werden kann“, sagt Cornelia Oster-Groß, die Sprecherin von Heimat 2035. Rund 30 Prozent des 17.000 Fahrzeuge zählenden Verkehrsaufkommens, das tagtäglich Murnau durchquert, entfallen angeblich auf Lkw.

Nach ihrer Auffassung könnte diese Maßnahme die Belastungen durch Lärm, Abgase und Verkehr in den Ortsdurchfahrten von Spatzenhausen, Seehausen und Murnau spürbar reduzieren. Gleichzeitig würde der überregionale Verkehr weiterhin über leistungsfähige Bundesfernstraßen abgewickelt. Die Idee entstand durch die halbseitige Sperre der Reschstraße vor wenigen Wochen im Zuge von Bauarbeiten. „Das vielbeschworene Verkehrschaos ist damals ausgeblieben“, sagt Osten-Groß. Sie verweist darauf, dass Straßenverkehrsbehörden nach gewissen Paragraphen der Straßenverkehrsordnung unter bestimmten Voraussetzungen Verkehrsströme zum Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und anderen Belastungen beschränken oder umleiten können. „Wir bitten die Gemeinden, den Vorschlag zu prüfen und sich bei den zuständigen Landratsämtern Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen für eine entsprechende Regelung einzusetzen.“
Nach Berechnungen der Bürgerinitiative würde die alternative Streckenführung zwischen dem Kreisverkehr Spatzenhausen und der Anschlussstelle Eschenlohe lediglich rund eine Minute zusätzliche Fahrzeit verursachen. Aufgrund des Wegfalls mehrerer Ampelanlagen und stauanfälliger Abschnitte innerhalb Murnaus könnte die tatsächliche Fahrzeit in der Praxis sogar vergleichbar oder kürzer ausfallen, heißt es weiter in der Pressemitteilung.
„Ich finde es gut, dass die Bürgerinitiative sich so konstruktiv an der Diskussion über die zukünftige Verkehrsentwicklung in unserer Region beteiligt“, lässt Beuting wissen. Deren Überlegungen zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs sind für ihn „grundsätzlich nachvollziehbar“. Die erste Frage, mit der man sich beschäftigen müsse, sei die, „wie wir die Lebensqualität der Bevölkerung entlang der am meisten betroffenen Straßen und die Verkehrssicherheit erhöhen können. Dabei steht zunächst die Reduzierung der Lärm- sowie Schadstoffbelastungen in den Ortsdurchfahrten im Mittelpunkt“. Beuting zufolge wird sich der Marktgemeinderat in einer der nächsten Sitzungen mit dem Schreiben und dem Vorschlag befassen. Dabei wolle man weitere Möglichkeiten prüfen. Beuting schweben dabei Tempo-30-Zonen in den durch Lärm und Schadstoffe stark belasteten Gebieten vor.
Das Papier der Bürgerinitiative bezeichnet Seehausens neuer Bürgermeister Karl Widmann als „einen spannenden Ansatz“. Ähnliche Punkte, die dort angesprochen werden, habe man in seiner Gruppierung und innerhalb des Ortes auch schon behandelt. Er spricht sich dafür aus, die zuständigen Stellen wie das Staatliche Bauamt und die Landratsämter mit ins Boot zu nehmen. Der Murnauer Umfahrung steht er skeptisch gegenüber, da weite Teile der westlichen Trassen über Seehauser Flur führen würden. „Seehausen würde die Hauptlast tragen, und ich habe Sorge, ob das den Bürgern zu vermitteln ist.“ Dennoch sagt er den Murnauern in Sachen Reschstraße und Weilheimer Straße Unterstützung zu.
PETER REINBOLD
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