Planspiel mit Kreisel

Murnau/Spatzenhausen – Als Mann der Gedankenspiele hat sich Walter Schütze (79) schon vor mehr als zehn Jahren einen Namen gemacht. Schütze hatte 2015, als die Kosten für Sanierung und Umbau des Murnauer Rathauses aus dem Ruder zu laufen drohten, die Idee ins Spiel gebracht, die Verwaltung dauerhaft – und nicht nur während der Zeit der Bauarbeiten – in dem damals verwaisten Murnauer Gemeindekrankenhaus anzusiedeln. Seine Planspiele wurden von der Kommunalpolitik verworfen. Lange Zeit hatte sich der Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der Be Ve Log Handel e. K. wenig mit den Geschehnissen in und um Murnau öffentlichkeitswirksam beschäftigt. Doch damit ist jetzt Schluss: Die geplante Ortsumfahrung hat er zu seinem neuen Steckenpferd erkoren.
Diese ist umstritten. Das Gros der politischen Parteien, Bündnis 90/Die Grünen ausgenommen, hält die Entlastung von Weilheimer- und Reschstraße für nötig, und auch die Bürger sind gespalten. Zum Sprachrohr der Gegner hat sich seit fast einem Jahr die Bürgerinitiative (BI) Heimat 2035 gemacht. Deren Vorschlag deckt sich mit dem Schützes. Beide empfehlen, den Verkehr in Richtung Süden, der durch Murnau fließt und die Straßen verstopft, schon am Spatzenhauser Kreisel auf die Route der B472 zur Autobahnauffahrt Sindelsdorf abzuleiten. „Das könnte mit einem Schild oder am besten mit einer Digitalanzeige geschehen“, sagt Schütze. Was dafür spreche: Es gebe auf der Strecke über die Autobahn keinen Zeitverlust. Derzeit fließt allerdings mehr Verkehr durch Murnau, da die Anschlussstelle Sindelsdorf wegen umfangreicher Bauarbeiten dicht ist.
Allerdings gibt es bei beiden Ideen einen kleinen, aber feinen Unterschied: Die Bürgerinitiative meint, dass das lediglich für den Schwerlastverkehr ab 7,5 Tonnen gelten solle, den Brummis soll die Fahrt durch Murnau verwehrt werden. Mit der Bürgerinitiative hat Schütze indes nichts zu tun. „Ich hab’ noch nicht einmal gewusst, dass es sie gibt.“ Dort freut man sich dennoch über Schützes Unterstützung. „Ich finde es super, dass er ähnlich denkt wie wir“, sagt Cornelia Osten-Groß, die für die BI spricht.
Und auch beim Staatlichen Bauamt Weilheim, das die Planungen für die Ortsumfahrung betreibt, für die derzeit fünf Varianten bestehen, hat man den Spatzenhauser Kreisel auf dem Schirm. Ein möglicher Schildhinweis zur A95 soll nach Auskunft von Michael Meister, Pressesprecher der Behörde, Thema der nächsten Verkehrsschau sein. Die soll in der zweiten Jahreshälfte mit Vertretern des zuständigen Landratsamts und der Polizei stattfinden. Der Plan stößt auch bei Osten-Groß auf Wohlwollen: „Schön, dass sich auch beim Staatlichen Bauamt etwas tut.“
Ohne die ganz große Resonanz bei der Kommunalpolitik ist die Bürgerinitiative mit ihrem Vorschlag gestoßen. Den hatte sie per E-Mail vor Wochen an die Bürgermeister von Murnau, Seehausen und Spatzenhausen, Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Karl Widmann (PWS) und Simone Probst (FWG), sowie die Gemeinderäte verschickt. Einzig Beuting hatte am 6. Juli zwei Vertreter der Bürgerinitiative, einer von ihnen war Christian Luidl, zu einem informellen Gespräch gebeten. Zur Frage zum Inhalt und etwaiger Ergebnisse geben sich Osten-Groß, die bei der Zusammenkunft nicht dabei war, und die Pressestelle des Markts eher zugeknöpft. Beuting, heißt es in einer Mitteilung von Sprecherin Sophie Klagsbrun, habe sich den von der Bürgerinitiative gestellten Antrag „noch einmal näher erläutern lassen“. In Sachen Umfahrung hatte sich Beuting in der Vergangenheit weder pro noch contra positioniert. Sein Standpunkt: Er wolle erst das Gutachten des Staatlichen Bauamts abwarten, das seit mehr als einem Jahr aussteht, und sich dann eine Meinung bilden.
Neben Kreisel und Umfahrung ist Schütze drauf und dran, ein weiteres Steckenpferd zu entdecken. Den Bau des neuen Murnauer Feuerwehrhauses. Das soll für gedeckelte 17 Millionen Euro in den kommenden Jahren auf dem alten Volksfestplatz an der Kellerstraße hochgezogen werden. „Der falsche Ort“, meint Schütze. Er favorisiert eine Fläche am südlichen Ortsausgang von Murnau. Darüber habe er schon mit Feuerwehrreferent Michael Hosp gesprochen, der für die CSU im Gemeinderat sitzt. Bei Hosp fiel Schützes Vorschlag nicht auf fruchtbaren Boden. „Er hat mir gesagt, dass am Platz für das neue Feuerwehrhaus nicht mehr gerüttelt wird.“
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